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Raubtiere
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Die Raubtiere (Carnivora) sind eine Ordnung der SÀugetiere (Mammalia), zu der die Hundeartigen (Caniformia) und die Katzenartigen (Feliformia) gehören.
Als PrĂ€datoren, die sich ĂŒberwiegend von Wirbeltieren ernĂ€hren, sind die Raubtiere mit 16 rezenten Familien und ĂŒber 280 Arten in 128 Gattungen nahezu weltweit verbreitet.cite-ref-hmw-2-0[2]
Die wissenschaftliche Bezeichnung Carnivora bedeutet âFleischfresserâ, sie setzt sich aus den lateinischen Begriffen caro (Genitiv carnis) fĂŒr âFleischâ und vorare fĂŒr âverschlingenâ zusammen. Es sind aber nicht alle nur Fleischfresser; so sind etwa die BĂ€ren (Ursidae) opportunistische Allesfresser, und einige Arten sind ĂŒberwiegend Pflanzenfresser, darunter der GroĂe Panda.
Contents
âą Merkmale
âą Allgemeines
âą GliedmaĂen
âą Organe
âą Lebensweise
âą Sozialverhalten
⹠ErnÀhrung
âą Fortpflanzung
âą Systematik
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Merkmale
Allgemeines
Die Vertreter der Raubtiere sind sowohl hinsichtlich ihrer Ă€uĂerlichen Attribute als auch ihrer Habitate sehr verschiedenartig. Diese Vielfalt wird sichtbar im Vergleich zwischen dem kleinsten Raubtier der Erde, dem Mauswiesel, dessen Weibchen nicht einmal 50 g wiegen, und dem gröĂten Raubtier der Erde, dem SĂŒdlichen Seeelefanten, dessen Bullen bis zu 6,5 Meter lang und mehr als 3,5 Tonnen schwer werden können.cite-ref-3[3]
Kiefer und Gebiss
Das Gebiss der landbewohnenden Raubtierfamilien baut auf folgender Zahnformel auf: Incisivi (SchneidezĂ€hne) 3/3, Canini (EckzĂ€hne) 1/1, PrĂ€molare (VorbackenzĂ€hne) 4/4, Molare (BackenzĂ€hne) 3/3. Je nach Raubtierart sind die AusprĂ€gungen unterschiedlich, wobei die EckzĂ€hne, die so genannten FangzĂ€hne (nicht ReiĂzĂ€hne, s. u.), in der Regel extrem verlĂ€ngert sind. Fast alle Arten besitzen je sechs kleine SchneidezĂ€hne im Ober- und Unterkiefer. Die wenigen Ausnahmen sind der LippenbĂ€r, der in jeder OberkieferhĂ€lfte nur zwei SchneidezĂ€hne besitzt, um durch die entstandene LĂŒcke Insekten aufsaugen zu können, und der Seeotter, der im Unterkiefer insgesamt nur vier SchneidezĂ€hne trĂ€gt.
Alle Landraubtiere tragen darĂŒber hinaus ein charakteristisches Gebissmerkmal: die sogenannte P4/M1-Brechschere, die sich jeweils aus zwei scharfen ReiĂzĂ€hnen zusammensetzt und hervorragend geeignet ist, um Fleisch zu zerschneiden. In jeder KieferhĂ€lfte bilden zwei ReiĂzĂ€hne eine solche Funktionseinheit. Der obere ReiĂzahn ist der letzte Vorbackenzahn im Oberkiefer (PrĂ€molar 4 = P4), der untere ist der erste Backenzahn (Molar 1 = M1) im Unterkiefer. Bei HyĂ€nen sind sie besonders krĂ€ftig und eignen sich sogar zum Aufbrechen groĂer Knochen, bei Allesfressern wie BĂ€ren und KleinbĂ€ren sind sie weniger ausgeprĂ€gt. Die restlichen BackenzĂ€hne der Raubtiere sind im Gegensatz zu den auffĂ€lligen ReiĂzĂ€hnen in der Regel eher klein. Die Zahl der BackenzĂ€hne ist bei einigen Gruppen reduziert, so beispielsweise bei den Katzen.
Das Gebiss der Robben unterscheidet sich deutlich von dem der landlebenden Raubtiere. Es ist darauf spezialisiert, schlĂŒpfrige Fische festzuhalten und besteht aus einem oder zwei Paaren unterer SchneidezĂ€hne, oft relativ unauffĂ€lligen EckzĂ€hnen und 12 bis 24 kegelförmigen, homodonten (gleichartigen) BackenzĂ€hnen. Extreme Abwandlungen sind die StoĂzĂ€hne (Hauer) des Walrosses oder die modifizierten BackenzĂ€hne der Krabbenfresser.
Charakteristisch fĂŒr RaubtierschĂ€del sind ausladende Jochbögen, eine groĂe SchlĂ€fengrube als Ursprung fĂŒr den krĂ€ftigen, zum ZubeiĂen wichtigen SchlĂ€fenmuskel, sowie die Verbindung von Augenhöhle und SchlĂ€fenfenster. Der Unterkiefer ist so im Oberkiefer verankert, dass er nur auf- und abwĂ€rts bewegt werden kann; SeitwĂ€rtsbewegungen wie etwa beim Kauen sind nicht möglich.
GliedmaĂen
Raubtiere besitzen vier oder fĂŒnf Zehen an jedem FuĂ. Der Daumen kann den anderen Zehen nicht gegenĂŒbergestellt werden und ist bei einigen Arten zurĂŒckgebildet oder reduziert. Die Handwurzelknochen sind in der Regel verwachsen, wodurch das Handgelenk gefestigt wird. Das SchlĂŒsselbein ist sowohl bei Robben als auch bei den anderen Gruppen reduziert oder ganz verschwunden. Es dient bei anderen SĂ€ugern dazu, SeitwĂ€rtsbewegungen der GliedmaĂen zu ermöglichen. Raubtiere, die vor allem darauf ausgerichtet sind, Beute zu verfolgen, bewegen ihre Beine jedoch hauptsĂ€chlich vor und zurĂŒck. Einige Raubtiere wie Katzen und Hunde gehen auf den Zehen, wĂ€hrend andere wie die BĂ€ren SohlengĂ€nger sind. Bei einigen, etwa Katzen und Schleichkatzen, findet man als Besonderheit einziehbare Krallen. Die GliedmaĂen der Robben sind stark modifiziert und zu Flossen umgebildet, bei denen die Zehen durch SchwimmhĂ€ute verbunden sind.
Organe
Wegen der meist geringen Spezialisierung bei der Nahrungsaufnahme ist, wie das Gebiss, auch der Verdauungstrakt im Vergleich zu vielen Pflanzenfressern recht ursprĂŒnglich und bietet dadurch eine höhere AnpassungsfĂ€higkeit. Er besteht aus dem Magen und einem relativ kurzen Darm.
Weibliche Raubtiere verfĂŒgen ĂŒber eine zweihörnige GebĂ€rmutter. Sie haben bauchstĂ€ndige MilchdrĂŒsen. MĂ€nnliche Raubtiere (mit Ausnahme der HyĂ€nen) haben einen Penisknochen (Baculum), die Hoden liegen auĂen.
Das relativ groĂe Gehirn ist stark gefurcht.
Verbreitungsgebiet und LebensrÀume
Mit etwa 270 Arten sind die Raubtiere eine der artenreicheren Ordnungen der SĂ€ugetiere. Sie kommen auf allen Kontinenten vor, wobei sie in der Antarktis nur an den KĂŒsten anzutreffen sind. Mit Ausnahme von Ohrenrobbenkolonien an der SĂŒdkĂŒste war Australien frĂŒher raubtierfrei, in historischer Zeit wurden jedoch der australische Dingo und in der Neuzeit Rotfuchs und Hauskatze durch den Menschen eingefĂŒhrt.
Alle Familien der Katzenartigen sind, mit Ausnahme der Katzen selbst, die auch in Nord- und SĂŒdamerika vorkommen, natĂŒrlicherweise auf die alte Welt beschrĂ€nkt. Zwei Familien der Katzenartigen, die Madagassischen Raubtiere und die Pardelroller, haben recht kleine Verbreitungsgebiete und kommen ausschlieĂlich auf Madagaskar beziehungsweise in Zentralafrika vor. Die ĂŒbrigen drei, HyĂ€nen, Mangusten und Schleichkatzen, sind jeweils in Afrika, Asien und in Randgebieten in Europa verbreitet. Unter den Hundeartigen sind die Hunde, BĂ€ren und Marder fast weltweit verbreitet und fehlen ursprĂŒnglich nur in Australien und der Antarktis. Die BĂ€ren sind in Afrika allerdings mit dem AtlasbĂ€ren im HolozĂ€n ausgestorben. Die Skunks sind in SĂŒdostasien und Amerika verbreitet, die KatzenbĂ€ren mit einer Art auf Asien beschrĂ€nkt und die KleinbĂ€ren leben ausschlieĂlich in Amerika. In drei Familien bewohnen die Wasserraubtiere die KĂŒstengewĂ€sser aller Kontinente sowie einige wenige SĂŒĂwasserseen.
Die LebensrĂ€ume der Raubtiere sind vielseitig, und es gibt nur wenige Habitate, die sie nicht bevölkern. So findet man sie vom PackeisgĂŒrtel bis in tropische RegenwĂ€lder und von KĂŒstenmeeren bis in trockene WĂŒsten.
Lebensweise
Sozialverhalten
Die Bandbreite des Sozialverhaltens ist nicht nur unter den Raubtieren an sich groĂ, sondern variiert auch deutlich innerhalb der einzelnen Tiergruppen. Oft steht die Gesellschaftsform in engem Zusammenhang mit der Jagdweise und ErnĂ€hrung der jeweiligen Art. So leben einige Arten in Rudeln (Wölfe, Löwen) oder Kolonien (Seelöwen), andere als EinzelgĂ€nger (Leopard, BraunbĂ€r) oder in Familiengruppen (Schakale).
ErnÀhrung
Die meisten Raubtiere sind Fleischfresser. Ihren Fleischbedarf decken sie durch Jagd oder das Fressen von Aas. Ein groĂer Teil der Carnivora ist jedoch omnivor, also allesfressend, das heiĂt, sie nehmen neben Fleisch auch andere Nahrung wie Beeren oder GrĂ€ser zu sich. Viele kleinere Raubtiere wie Mangusten, aber auch einige gröĂere Arten wie Löffelhund, Erdwolf und LippenbĂ€r ernĂ€hren sich zu groĂen Teilen von Wirbellosen, vornehmlich Insekten. Einige Raubtierarten, darunter der GroĂe Panda, der Pardelroller oder der WickelbĂ€r, sind sogar vorrangig oder fast ausschlieĂlich Pflanzenfresser. Dennoch findet man zahlreiche hochspezialisierte Beutegreifer innerhalb dieser Ordnung.
Die Art und Weise, wie Raubtiere ihre Opfer erlegen, ist sehr vielseitig. Einige Arten, etwa die Wildhunde, hetzen ihre Beute bis zur Erschöpfung, andere schleichen sich nah an ihre Beute heran und ĂŒberraschen sie mit einem schnellen Angriff, so beispielsweise die Katzen. Marder sind fĂ€hig, schnell kletternden Eichhörnchen in BĂ€umen nachzustellen, Wiesel verfolgen Nagetiere in ihre GĂ€nge und Robben jagen Fische. GroĂe Robben wie Seeelefanten erreichen dabei Tiefen von ĂŒber 1000 Metern. Einige Raubtiere sind in der Lage, Tiere zu erlegen, die um einiges gröĂer sind als sie selbst. Zum Beispiel können Tiger Gaure (groĂe Rinder aus SĂŒdostasien) erlegen, und das Hermelin kann ein Kaninchen töten, das ein Vielfaches seines Körpergewichtes wiegt. Einige Arten setzen vor allem auf Gruppenjagd, wĂ€hrend andere im Alleingang jagen.
Fortpflanzung
Die meisten Raubtierarten werfen etwa einmal pro Jahr, kleinere Arten auch mehrmals. Bei groĂen Arten wie den GroĂkatzen und BĂ€ren vergehen meist zwei bis drei Jahre zwischen zwei WĂŒrfen. Die Tragzeit schwankt zwischen 50 und 115 Tagen. Die Jungen kommen in der Regel klein, blind und unfĂ€hig zum eigenstĂ€ndigen Ăberleben zur Welt.
Systematik
ĂuĂere Systematik
Die Raubtiere werden heute aufgrund molekulargenetischer Befunde zur groĂen SĂ€ugerlinie der Laurasiatheria gezĂ€hlt, zu denen auch die Insektenfresser, Fledertiere, Unpaarhufer, Cetartiodactyla (Wale und Paarhufer) und Schuppentiere gehören. Innerhalb der Laurasiatheria werden die Raubtiere heute meist zusammen mit den Schuppentieren und den ausgestorbenen Hyaenodonta und Oxyaenodonta in eine gesonderte Gruppe, die Ferae, gestellt. Deren Schwestergruppe wĂ€ren nach dieser Auffassung die Unpaarhufer. Ein mögliches Kladogramm der Laurasiatheria sieht folgendermaĂen aus:cite-ref-4[4]
WĂ€hrend die Ferae heute als relativ sicher angesehen werden, gibt es bzgl. der Systematik innerhalb der Laurasiatheria noch regelmĂ€Ăige Diskussionen. Innerhalb der Ferae werden die Raubtiere und ihre ausgestorbene Verwandtschaft (Miacidae und Viverravidae) in der Regel zu dem höheren Taxon der Carnivoramorpha vereint, wĂ€hrend die unmittelbar engere Verwandtschaft der Raubtiere die Bezeichnung Carnivoraformes (hĂ€ufig unter Ausschluss der Miacidae, die als paraphyletisch aufzufassen sind) trĂ€gt. Andere rĂ€uberisch lebende Gruppen der Ferae, wie die ausgestorbenen Hyaenodonta und Oxyaenodonta, standen ursprĂŒnglich innerhalb der âCreodontaâ, die als Schwestergruppe der Raubtiere galten. Heute werden die âCreodontaâ ebenfalls als in sich nicht geschlossene Gruppe gewertet. Phylogenetische Studien aus dem Jahr 2018 implizieren, dass die Carnivoramorpha möglicherweise ebenfalls paraphyletisch sind, da sie die Viverravidae ausschlieĂen, die Oxyaenodonta aber basal in die Carnivoraformes einsortieren.cite-ref-zack-2018-5-0[5]
Innere Systematik
Grobsystematik
Die klassische Einteilung der Raubtiere sah zwei Unterordnungen vor, die Landraubtiere und die Wasserraubtiere; letztere waren dabei die Robben, erstere alle landbewohnenden Raubtiere. Nach heutigem Stand ist diese Unterteilung ĂŒberholt, da Robben sich aus hundeartigen Raubtieren entwickelten und daher diesen zuzuordnen sind. Diese Zugehörigkeit basiert sowohl auf morphologischen als auch auf molekulargenetischen Untersuchungen. Demnach spalteten sich die frĂŒhen Raubtiere nicht zuerst in Land- und Wasserraubtiere auf, sondern in Hundeartige (Canoidea) und Katzenartige (Feloidea). Schon lange unterscheidet man diese zwei Stammlinien, wobei frĂŒher allerdings die Robben nicht zu den Hundeartigen gerechnet wurden.
Unbestritten ist heute, dass die drei Familien der Robben ein monophyletisches Taxon sind, also alle auf einen gemeinsamen Vorfahren zurĂŒckgehen. Auch die Monophylie der traditionell unterschiedenen Landraubtier-Familien bestĂ€tigte sich gröĂtenteils. Dies gilt insbesondere fĂŒr Hunde, BĂ€ren, HyĂ€nen und Katzen. Die anderen herkömmlichen Familien, die Marderartigen, KleinbĂ€ren, Schleichkatzen und Mangusten, haben noch immer GĂŒltigkeit, mussten jedoch teilweise etwas umstrukturiert werden, um den neuen taxonomischen Befunden gerecht zu werden. So bilden die Skunks zusammen mit den Stinkdachsen SĂŒdostasiens eine eigene Familie, der Kleine Panda ist in einer eigenen Familie Ailuridae abgetrennt und die Madagassischen Raubtiere bilden ein monophyletisches Taxon. Der Pardelroller und die Linsangs stellen nach molekulargenetischen Untersuchungen ebenfalls jeweils eigenstĂ€ndige Familien dar.
âą Hundeartige (Caniformia)
âą Hunde (Canidae) (mit Wölfen, FĂŒchsen und Schakalen)
âą BĂ€ren (Ursidae)
âą Walrosse (Odobenidae)
âą Ohrenrobben (Otariidae)
âą Hundsrobben (Phocidae)
âą Kleine Pandas (Ailuridae)
âą Skunks oder Stinktiere (Mephitidae)
⹠KleinbÀren (Procyonidae)
âą Marder (Mustelidae)
âą Katzenartige (Feliformia)
âą Pardelroller (Nandiniidae)
âą Katzen (Felidae)
âą Linsangs (Prionodontidae)
âą Schleichkatzen (Viverridae)
⹠HyÀnen (Hyaenidae)
âą Mangusten (Herpestidae)
âą Madagassische Raubtiere (Eupleridae)
Systematik auf Familienebene
Die genaueren verwandtschaftlichen VerhĂ€ltnisse der Raubtierfamilien untereinander konnten jĂŒngst durch molekulargenetische Analysen etwas aufgehellt werden. Als sicher gilt heute, dass innerhalb der Hundeartigen die Caniden (Hunde) allen anderen heutigen Gruppen, die als Arctoidea zusammengefasst werden, gegenĂŒberstehen. Die Arctoidea selbst gliedern sich in die drei Hauptkladen BĂ€ren, Robben und Musteloidea (Marderverwandte). Zu letzteren zĂ€hlen die KatzenbĂ€ren, Skunks, KleinbĂ€ren und Marder. Zu den KatzenbĂ€ren gehören als einzige rezente Gruppe nur die Kleinen Pandas. Der GroĂe Panda hingegen wird heute den GroĂbĂ€ren (Ursidae) zugeteilt.cite-ref-hassanin-et-al-2021-6-0[6] Unklar bleibt unter den Hundeartigen die Stellung der ausgestorbenen Amphicyonidae.
Innerhalb der Katzenartigen stellten sich ĂŒberraschend die Pardelroller, die gegenwĂ€rtig mit nur einer Art in Zentralafrika vertreten sind, als eigene Familie heraus, die allen anderen ĂŒberlebenden Familien aus dem Katzenzweig gegenĂŒberstehen. Des Weiteren bilden alle Madagassischen Raubtiere eine monophyletische Gruppe, die nahe mit den Mangusten verwandt ist. Die Schwestergruppe dieser beiden Gruppen dĂŒrften die HyĂ€nen sein. Bei den Katzenartigen wĂ€ren demnach drei Hauptlinien zu unterscheiden: (1) der Pardelroller, (2) eine Gruppe, die sich aus Schleichkatzen, HyĂ€nen, Mangusten und Madagassischen Raubtieren zusammensetzt, und (3) die Katzen und die Linsangs.cite-ref-hassanin-et-al-2021-6-1[6]
UngeklĂ€rt ist auch die genaue Stellung der ausgestorbenen Amphicyonidae, Barbourofelidae, Nimravidae, sowie der hyĂ€nenĂ€hnlichen Stenoplesictidae und Percrocutidae. Die kleinen, den heutigen Mardern oder Wieseln Ă€hnelnden Miacidae und Viverravidae stehen auĂerhalb der Raubtier-Kronengruppe. Die Miacidae bilden zusammen mit den Carnivora das Taxon Carnivoraformes, die Viverravidae zusammen mit den Carnivoraformes das Taxon Carnivoramorpha.cite-ref-hassanin-et-al-2021-6-3[6]
Stammesgeschichte
Aufspaltung in Katzen- und Hundeartige
Nach der herkömmlichen Meinung hatten sich die Raubtiere schon im frĂŒhen PalĂ€ozĂ€n in die beiden groĂen Raubtier-Stammlinien, die Katzenartigen (Feliformia) und die Hundeartigen (Caniformia), aufgespalten. Als Ă€lteste Gruppe der ersteren galt bisher die ausgestorbene Familie Viverravidae, die bereits im PalĂ€ozĂ€n nachgewiesen ist. Einer ihrer Vertreter war beispielsweise die zierliche, baumlebende Gattung Protictis. Als frĂŒheste Gruppe der Hundeartigen wurden meist die Miacidae angesehen, die etwa ab dem spĂ€ten PalĂ€ozĂ€n auftreten. (UrsprĂŒnglich wurden die Miaciden sogar als VorlĂ€ufer aller Raubtiere angesehen.) Ihre Pfoten waren flexibel, was auf KletterfĂ€higkeiten hinweist, und sie besaĂen ein vollstĂ€ndiges Gebiss mit 44 ZĂ€hnen. Auch das Scherengebiss (Brechschere) war bereits entwickelt.
Neuere Studien weisen allerdings darauf hin, dass die Miaciden und Viverraviden nicht die direkten Vorfahren der beiden Raubtierlinien sind, sondern sogar ganz auĂerhalb der Carnivora anzusiedeln sind. Die Miaciden scheinen nicht einmal eine monophyletische Gruppe zu sein. Viverraviden und Miaciden werden aber auch nach diesen Befunden mit den Raubtieren zu einem Taxon, den Carnivoramorpha, zusammengefasst. Diesen Ergebnissen zufolge hĂ€tten sich die beiden Hauptlinien der Carnivora erst vor etwa 43 Millionen Jahren auseinanderentwickelt.
Entwicklung der Katzenartigen
Eine der Ă€ltesten Familien aus dem Katzenzweig sind die Nimravidae, die sehr stark an Katzen (Felidae) erinnern, aber als separate Familie angesehen werden. Sie traten erstmals im spĂ€ten EozĂ€n Nordamerikas und Eurasiens auf. Eine weitere Familie, die Barbourofelidae, wurden ursprĂŒnglich als Unterfamilie der Nimravidae angesehen, doch gelten sie heute als eigene Familie. Die Barbourofelidae starben erst im spĂ€ten MiozĂ€n mit der nordamerikanischen Gattung Barbourofelis aus.
Der erste Vertreter der Katzen selbst war Proailurus aus dem OligozĂ€n und MiozĂ€n Europas. Er war etwa so groĂ wie ein Ozelot. Im MiozĂ€n wanderten die Katzen erstmals nach Nordamerika ein und verdrĂ€ngten schnell die dort lebenden Nimraviden. Im PliozĂ€n wanderten sie auch nach SĂŒdamerika ein. Die anderen Familien der Katzenartigen blieben, abgesehen von einer nordamerikanischen HyĂ€nengattung des PliozĂ€ns, auf die Alte Welt beschrĂ€nkt und erreichten nie den amerikanischen Kontinent.
Entwicklung der Hundeartigen
Die zweite Linie der Raubtiere sind die Hundeartigen. Ihre namensgebende Familie, die Hunde (Canidae), ist entwicklungsgeschichtlich vor allem in Nordamerika vertreten und war ursprĂŒnglich auf diesen Kontinent beschrĂ€nkt. Die Gattung Hesperocyon aus dem mittleren EozĂ€n war der erste bekannte Vertreter dieser Familie. Die Hunde erreichten Europa im MiozĂ€n, Afrika, Asien und SĂŒdamerika nicht vor dem PliozĂ€n.
Auch die zweite Familie, die BĂ€ren, tauchte zuerst in Nordamerika auf und erreichte Eurasien und Afrika im MiozĂ€n. Im Gegensatz zu den heutigen Formen war der erste BĂ€r noch ziemlich klein. Parictis aus dem spĂ€ten EozĂ€n hatte einen nur 7 cm langen SchĂ€del. Die anderen Familien der Hundeartigen, zu denen neben den heute noch existierenden auch die ausgestorbene Familie der Amphicyonidae gehörte, sind spĂ€testens ab dem frĂŒhen OligozĂ€n sowohl in Nordamerika als auch in der Alten Welt nachweisbar. SĂŒdamerika erreichten die Hundeartigen genau wie die Katzen erst im PliozĂ€n, nach der Entstehung der mittelamerikanischen LandbrĂŒcke. Lediglich die KleinbĂ€ren sind schon ab dem spĂ€ten MiozĂ€n auf diesem Kontinent nachgewiesen.
Die Robben, die innerhalb der Hundeartigen zur Gruppe der Arctoidea zĂ€hlen, sind erst aus dem OligozĂ€n bekannt. Enaliarctos etwa hatte bereits Flossen und lebte im spĂ€ten OligozĂ€n Kaliforniens. Die BackenzĂ€hne dieser frĂŒhen Gattung waren noch kaum modifizierte ReiĂzĂ€hne, wie sie fĂŒr Landraubtiere typisch sind. Vertreter, die den drei Robbenfamilien zugeordnet werden können, sind aus dem MiozĂ€n bekannt. Ohrenrobben und Walrosse waren damals an den KĂŒsten des Nordpazifik verbreitet, wĂ€hrend die Hundsrobben im Nordatlantik lebten.
Ausgestorbene Fleischfresser anderer SĂ€ugetiergruppen
Bevor sich die Carnivora zu den GipfelrĂ€ubern entwickelten, wurde diese Nische von zwei anderen SĂ€ugerordnungen ausgefĂŒllt, die bereits vor langer Zeit ausstarben. Die ersten waren die Mesonychia, fleischfressende Huftiere, die im PalĂ€ozĂ€n und EozĂ€n verbreitet waren. Sie brachten die ersten groĂen Fleischfresser unter den höheren SĂ€ugetieren hervor. Weitere Gruppen rĂ€uberischer SĂ€ugetiere waren die Hyaenodonta und die Oxyaenodonta, die ursprĂŒnglich als Creodonten zusammengefasst wurden. Im frĂŒhen PalĂ€ogen waren die eigentlichen Raubtiere noch verhĂ€ltnismĂ€Ăig klein, die Creodonten jedoch waren mit einer beachtlichen FormenfĂŒlle groĂer Fleischfresser vertreten. Ebenso wie die Carnivora hatten die Creodonten ein Brechscherengebiss entwickelt. Die Brechscheren von Raubtieren und Creodonten bestanden jedoch jeweils aus unterschiedlichen BackenzĂ€hnen, ein Beleg dafĂŒr, dass beide Gruppen sich unabhĂ€ngig voneinander, also konvergent, entwickelt haben.
Auf den Kontinenten Australien und SĂŒdamerika, wo lange Zeit keine modernen Raubtiere lebten, wurde die Rolle gröĂerer Fleischfresser ursprĂŒnglich von verschiedenen Beuteltierarten ausgefĂŒllt. In SĂŒdamerika lebten bis in das PliozĂ€n fleischfressende Beuteltiere der Ordnung Sparassodonta, zu denen auch die den sĂ€belzahnkatzenĂ€hnliche Gattung Thylacosmilus gehörte. Mit der Bildung der mittelamerikanischen LandbrĂŒcke und dem groĂen amerikanischen Faunenaustausch am Ende des PliozĂ€ns wanderten Carnivora aus Nordamerika ein und verdrĂ€ngten ihre sĂŒdamerikanischen Konkurrenten. Unter den speziellen Bedingungen Australiens konnten sich unter den BeutelsĂ€ugern einige mittelgroĂe Fleischfresser entwickeln, wie etwa die Beutelmarder und der Beutelteufel, die zu den Raubbeutlern gehören. Einer anderen Familie der Raubbeutlerartigen gehört der Beutelwolf an, der im 20. Jahrhundert verschwand. Fleischfresser auĂerhalb der Raubbeutlerartigen waren z. B. die Beutellöwen, die im PleistozĂ€n ausstarben, oder fleischfressende KĂ€nguruarten der Gattung Ekaltadeta, die bereits im ObermiozĂ€n ausstarben.
Bedeutung, Geschichte, Kultur
Seit Urzeiten sind groĂe Raubtiere die Nahrungskonkurrenten des Menschen. Viele Raubtiere wurden als Feinde der Nutztiere des Menschen verfolgt und verloren einen GroĂteil ihres Lebensraumes durch die Ausbreitung und Konkurrenz des Menschen. Auch die Jagd auf Wildtiere verĂŒbelte ihnen der Mensch und dezimierte sie aus diesem Grund. So wurden GroĂraubtiere im Yellowstone-Nationalpark selbst nach der Nationalpark-GrĂŒndung verfolgt; der Wolf wurde dabei ausgerottet und erst 1995 wieder angesiedelt. Viele Raubtiere wurden oder werden auch wegen ihres Fells zur Herstellung von Kleidung und als JagdtrophĂ€en bejagt. Heute sind etliche Arten vom Aussterben bedroht und besonders die BestĂ€nde der groĂen Raubtiere sind vielfach bis auf kleine Reliktpopulationen zusammengeschmolzen.
Stellenweise ist heute allerdings ein Umdenken zu erkennen. Vor allem in Europa und Nordamerika scheinen einige GroĂraubtiere wieder etwas an verlorenem Boden gutmachen zu können. So wurden Wölfe im Yellowstone-Nationalpark wiedereingefĂŒhrt und in Mitteleuropa etablieren sich zunehmend BĂ€ren, Wölfe und Luchse. Einige anpassungsfĂ€hige Arten, wie etwa Rotfuchs oder Marder, vor allem der Steinmarder dringen immer mehr in menschliche Siedlungen vor und finden selbst in modernen GroĂstĂ€dten ein Auskommen.
Besonders die groĂen Arten wie Löwe, Tiger, BĂ€r und Wolf haben mythische Bedeutung erlangt und Eingang in zahlreiche Sagen gefunden.
Einige Arten (vor allem Haushund und Hauskatze) werden vom Menschen auch als Haustiere gehalten. Verschiedene Marder werden wegen ihres Felles oder im Falle des Frettchens zur Kaninchen- und Hasenjagd gezĂŒchtet.
Mehrere Raubtierarten, wie etwa der Rotfuchs, können gefĂ€hrliche Infektionskrankheiten, wie beispielsweise die Tollwut, ĂŒbertragen.
Literatur
âą D. E. Wilson, D. M. Reeder: Mammal Species of the World. Johns Hopkins University Press, 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
âą David Macdonald: Die groĂe EnzyklopĂ€die der SĂ€ugetiere. Könemann, Königswinter 2004, ISBN 3-8331-1006-6.
âą Thomas S. Kemp: The Origin & Evolution of Mammals. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 0-19-850761-5.
âą Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009, ISBN 978-84-96553-49-1.
âą John J. Flynn u. a.: Molecular Phylogenie of the Carnivora (Mammalia): Assessing the Impact of Increased Sampling on Resolving Enigmatic Relationships. Systematic Biology 54 (2), 2005; S. 317â337. doi:10.1080/10635150590923326 Volltext
âą Gina D. Wesley-Hunt, John J. Flynn: Phylogeny of the Carnivora: Basal Relationships among the Carnivoramorphans, and assessment of the position of 'Miacoidea' relative to Carnivora. Journal of Systematic Palaeontology 3 (1), 2005; S. 1â28. doi:10.1017/S1477201904001518
Weblinks
Commons
: Raubtiere
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber Raubtiere im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Raubtiere: Die gefĂ€hrlichen Helfer, Artikel von Peter Laufmann in Spiegel Online, 5. Februar 2012 (ursprĂŒnglich erschienen in natur+kosmos, Heft 2/2012)
Einzelnachweise
cite-note-11. T. Edward Bowdich: An Analysis of the Natural Classifications of Mammalia, for the Use of Students and Travelers. Paris 1821, S. 33 ff. (online bei Google Books, frei downloadbar)
cite-note-hmw-22. â Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009, ISBN 978-84-96553-49-1, S. 46.
cite-note-33. â See-Elefanten auf world-of-animals.de.
cite-note-44. â Harald Schliemann: Carnivora, Raubtiere. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel- oder SchĂ€deltiere. Spektrum Akademischer Verlag, 2004, ISBN 3-8274-0900-4, S. 503.
cite-note-zack-2018-55. â Shawn P. Zack: A skeleton of a Uintan machaeroidine âcreodontâ and the phylogeny of carnivorous eutherian mammals. Journal of Systematic Palaeontology, 2018, doi:10.1080/14772019.2018.1466374
cite-note-hassanin-et-al-2021-66. â Alexandre Hassanin, GĂ©raldine Veron, Anne Ropiquet, Bettine Jansen van Vuuren, Alexis LĂ©cu, Steven M. Goodman, Jibran Haider, Trung Thanh Nguyen: Evolutionary history of Carnivora (Mammalia, Laurasiatheria) inferred from mitochondrial genomes. PLOS One, 16. Februar 2021. doi:10.1371/journal.pone.0240770.